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München, Hamburg oder Berlin – seit diesem Jahr schalten Unternehmen Stellenanzeigen für UX-Texter, UX-Writer oder UX-Copywriter. In Deutschland sind das bisher ProSiebenSat1, Humanoo und Xing. Der Trend kommt aus den USA und wird dort von den großen Tech-Playern, wie YouTube, Dropbox, Apple und Netflix, angeführt.

Haben wir das nicht schon immer so gemacht?

Als Texter, Konzeptioner und Redakteur hielt ich ständig Ausschau nach Jobs und Projekten. Dabei stieß ich auf Stellenanzeigen für „UX-Texter“, „UX-Writer“ und „UX-Copywriter“. Mein erster Gedanke: Was? Oh, ja ich weiß genau was das sein soll? Mein zweiter Gedanke: Das haben wir (Online-)Texter doch schon immer so gemacht – beziehungsweise gewollt. Schon vor fast 15 Jahren habe ich versucht A-B-Test von meinen McDonald’s Landingpages zu bekommen.

Die Oldschool-Pi-Mal-Daumen-Usability

Anfang der 2000er Jahre hat man auch versucht den Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen, vor allem als Texter in einer Online-Agentur. Nur eben einfach mit gesundem Menschenverstand. Zielgruppen haben wir ebenfalls genau und bildhaft beschrieben, aber wir haben sie nicht Personas genannt. Wireframes und die Sitemap hat der Texter/Konzepter gemacht – bis irgendwann die Informationsarchitekten in den Agenturen auftauchten. Die hatten ein technisches Verständnis und konnten sich besser mit den Entwicklern prügeln;-)

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Aber UX und Usability ist nicht einfach Altes im neuen Gewand

… sondern die nutzerzentrierte Optimierung von Software, Website und Apps. Dafür werden wissenschaftliche Methoden aus der Psychologie und Soziologie angewendet. Natürlich spielen auch fachübergreifende Teams eine große Rolle, bestehend aus Entwicklern, Designern und UX-Professionals.

Ebenso wie der UX-Designer, ist der UX-Texter im Prozess eingebunden. Dem Prozess die User Experience und die Usability eines Interface zu untersuchen und zu optimieren.

Und was genau schreibt ein UX-Texter?

Der UX-Texter – UX-Writer oder UX-Copywriter – schreibt die Wörter, die der Nutzer ließt oder hört, wenn er ein Produkt benutzt:

  1. Microcopy: Buttons, Fehlermeldungen, Bestätigungen, Registrierungs- und Kontakt-Formulare, Tooltipps, Platzhalter, Fortschritts-Information und einiges mehr.

  2. Short- & Longcopy: Produktbeschreibungen (etwa für einen Chatbot), Tutorials (Text oder Video), FAQs, Teaser und so weiter.

  3. Botcopy (Dialogdesign): Menschennahe Dialogtexte für Chatbots und Voice User Interfaces wie zum Beispiel Alexa, Siri oder Google Assistant.

  4. Concept copy: Personas, Ist-Szenarien, Storyboards und Hypothesen für den Nutzertest.

Was heißt „in Use Case“ denken?

Ein UX-Texter sollte auch nicht nur in „Website“ denken. Er sollte in Use Case denken – und dann die Texte auf die jeweiligen Touchpoints runterbrechen. Dafür muss er zuerst konzeptionelle Arbeit leisten, in der er zum Beispiel über Tonality und Wissensstand von Personas nachdenkt.

An dieser Stelle kann er auch schon Hypothesen aufstellen. Wenn er dann die Produkte, wie etwa eine App oder einen Alexa Skill mit Texten mitgestaltet, entstehen meiner Meinung nach essenziellere Botschaften – und einfachere Produkte. Dazu muss er natürlich früh in den Entwicklungs- und UX-Prozessen eingebunden sein.

Was wollen Unternehmen von einem UX-Texter oder UX-Writer?

Kein Eintrag im Wirtschaftslexikon und kein Berufsinformationsblatt von der Arbeitsagentur. Der Beruf des UX-Texters ist im deutschsprachigen Raum noch kaum beschrieben. Ein Weg, um herauszufinden was ein UX-Texter macht, ist, die US-Blogs zu dem Thema zu durchforsten – ein anderer, sich die deutschen Stellenanzeigen anzuschauen. Hier die aussagekräftigsten Anforderungen:

Sie zeigen ein starkes Verständnis dafür, wie Kunden mit unserer Website interagieren, und verwenden Daten, um zu ermitteln, wie Sie Kundenprobleme lösen und unsere Botschaften noch attraktiver gestalten können.

Sie arbeiten interdisziplinär mit Produktdesignern (UX / UI), Produktmanagern und Entwicklern zusammen, um die customer journey so benutzerfreundlich wie möglich zu machen.

Sie verinnerlichen, wie unsere Benutzer denken und fühlen, während sie unser Produkt verwenden.

> 7 Gründe einen UX-Texter zu buchen

Mind set – welche Rolle hat der UX-Texter im Unternehmen.

In dem Softwareunternehmen HubSpot haben UX-Texter (engl. UX-Writer oder UX-Copywriter) bereits einen festen Platz. In einem Blog-Artikel beschreibt Lindsey Vallandingham, wie sie und Ihre Text-Kollegen in den Prozessen integriert sind.

Eine klar definierte Rolle haben UX-Texter in Deutschland, Österreich und der Schweiz aber noch nicht. Das heißt, sie müssen möglicherweise ihre eigenen Rollenverantwortlichkeiten selbst definieren. Ein UX-Texter sollte also nicht konfliktscheu sein.

Es kann auch von großem Vorteil sein, funktionsübergreifende Aufgaben zu übernehmen – wie zum Beispiel Testunterlagen mitgestallten, am Style Guide mitzuarbeiten oder als Redakteur im CMS zu arbeiten.

Fazit: Ich glaube daran, dass sich – so wie sich die Haltung von Unternehmen gegenüber UX entwickelt – ebenso die Haltung von UX-Teams gegenüber dem Texter als Team-Mitglied ändern wird.